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Die Anfangszeit des Hitler-Regimes in Plettenberg

- im Spiegel des Süderländer Tageblatts von Christos Christogeros

Die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 31. Januar 1933 war ein tiefgreifender Einschnitt in der Geschichte, mit katastrophalen Auswirkungen für die ganze Welt. Doch auch im „Kleinen“ fanden große Veränderungen statt- so auch in Plettenberg. Auf Grund der Berichte in der Lokalzeitung („Süderländer Tageblatt“) soll im Folgenden versucht werden, ein Bild der Stadt und ihrer Bürger aus dem Jahr 1933 zu erstellen.

Die Ortsgruppe Plettenberg der NSDAP wurde im Dezember 1926 von neun Parteianhängern gegründet. Ihre erste öffentliche Versammlung hielten die Nationalsozialisten am 12.02. 1927 im Hotel „Zum Schwarzenberg“ ab, das bezeichnenderweise auch den Beinamen „braunes Haus“ trug. Bereits 1929 hatte die NSDAP vier Mitglieder im Stadtrat und auch die weitere Entwicklung der Partei schien günstig zu verlaufen. Die Auswertung der überlieferten Wahlergebnisse aus der Stadt Plettenberg lassen bereits eine erste Tendenz der Stimmung ihrer Einwohner erkennen. Denn der Vergleich zwischen den Stimmenanteilen der NSDAP zu den Reichstagswahlen im gesamten Reich und aus Plettenberg zeigt deutlich, dass die Zustimmung zu Adolf Hitler in der Stadt durchaus höher war, als im reichsweiten Durchschnitt. Dies wird besonders in den Jahren 1930 und 1933 deutlich. Hatte die NSDAP als Ergebnis der Wahlen vom 14. September 1930 aus dem ganzen Reich noch 18% der Stimmen erhalten, war es in Plettenberg ein Anteil von 27%, die die Nationalsozialisten wählten. Drei Jahre später erhielt die Partei in der Stadt sogar einen Stimmenanteil von über 50%, wobei der reichsweite Durchschnitt bei 44% lag.

Inwieweit Kundgebungen und Propaganda auf diese Ergebnisse Einfluss nahmen wird aus der Lokalzeitung nicht ersichtlich. Bezeugt sind allerdings zahlreiche Umzüge verschiedener Gruppierungen der NSDAP oder ihr nahestehender Organisationen. Der Fackelzug zur Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler fand wie in Berlin und anderen Städten auch in Plettenberg statt. Das Süderländer Tageblatt berichtete folgendermaßen darüber:

„Anläßlich der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler veranstalteten die Nationalsozialisten wie an anderen Orten auch hier einen Fackelzug, der sich durch die Straßen der Stadt, durch Eiringhausen und Holthausen bewegte. Wie wir erfahren, ist die Kundgebung ruhig verlaufen.“[1]

Solche Umzüge und Versammlungen verliefen in der Regel immer nach demselben Schema ab. Als Beispiel soll hier der Artikel in der Lokalzeitung vom 12. Juni 1933 dienen, der die Überschrift „SA marschiert...- Propagandamarsch, Konzert und Fahnenweihe“ trägt. An diesem Tag trafen sich die ortsansässige SA und SS am zentralen Platz der Stadt (Im Wieden) um mit einem „Propagandamarsch“ zum Hotel Schwarzenberg die neue „Sturmfahne“ einzuweihen. Anschließend veranstaltete die SA ein der Lokalzeitung nach gut besuchtes Konzert im Saal des Hotels. Diese Veranstaltungen dienten natürlich der Massenbeeinflussung und hatten sicher auch in Plettenberg ihre Wirkung nicht verfehlt, schafften sie doch die Illusion einer „Volksgemeinschaft“. Die braune Ideologie hielt auch in der Stadt Einzug. Dies wird besonders an der abschließenden Rede des Sturmbannführers Kirchhoff deutlich, der während der Fahnenweihe unter anderem gesagt haben soll:

„Es ist nicht notwendig, dass wir leben, aber es ist notwendig, dass wir unserem Vaterlande gegenüber die Pflicht tun.[...] In Glück und Not treu bis zum Tod!“

Die Worte Kirchhoffs stehen dabei exemplarisch für die Verblendung und Ausbreitung der nationalsozialistischen Ideologie im Stadtgebiet.

Sturmbannführer Alfred Kirchhoff lässt sich als eine der Nazi- Größen der Stadt Plettenberg charakterisieren. Sein Spitzname war der „Bulle[2] und bereits vor der „Machtergreifung“ 1933 war er politisch aktiv. Als treuer Parteianhänger durfte er sodann auch Reichsstandarte der hiesigen SA während der Nürnberger Reichsparteitage 1934 tragen. Scheinbar unbehelligt konnte er nach dem Krieg eine Tankstelle an einer der Hauptstraßen der Stadt eröffnen (Herscheider Straße).

Eine weitere zentrale Figur der Nationalsozialisten der Stadt war der Ortsgruppenleiter NSDAP Eiringhausen (Stadtteil Plettenbergs), Josef Zimmermann. Seit 1931 Mitglied der Partei, blieb er dieser bis zum Kriegsende treu. 1948 wurde er in Recklinghausen zu zwei Jahren und drei Monaten Haft wegen „Zugehörigkeit zu einer verbrecherischen Organisation[3] verurteilt. Den damaligen Zeugenaussagen zur Folge, soll er sein Amt mit Härte und Rücksichtslosigkeit geführt haben, vor allem bei der Verfolgung politischer Gegner.

Nachdem die Macht im Reich in den Händen der NSDAP lag, begann auch in Plettenberg eine sofortige Umwälzung der politischen Verhältnisse. So wurde das Bürgermeisteramt, nach kurzer kommissarischer Führung, einem Parteigetreuen übertragen. Am 8. Juli 1933 trat Dr. jur. Kurt Eckler seinen Dienst als neues Stadtoberhaupt an. Die Wahl in der Stadtverordnetenversammlung fand nicht geheim, sondern per Handzeichen statt. Daher überrascht seine einstimmige Bestätigung im Amt natürlich nicht. In Auszügen aus seiner Antrittsrede wird seine feste Verwurzelung im nationalsozialistischen Gedankengut deutlich:

„Ich werde meine ganze Kraft in den Dienst der Stadt Plettenberg stellen. Als Nationalsozialist fühle ich mich als Soldat Adolf Hitlers [...].“[4]

Die Verfolgung politischer Gegner schien er dabei als einen der zentralen Punkte seiner künftigen Politik zu verstehen:

„Auf polizeilichem Gebiet werde ich energisch vorgehen gegen solche, die den Aufbauwillen der Regierung zu hintertreiben suchen.“[5]

Solche Verfolgungen fanden durchaus häufig in Plettenberg statt und sind oft durch das Süderländer Tageblatt dokumentiert. Dort ist zwar oft von „Schutzhaft“ die Rede, doch in Wahrheit handelte es sich um Festnahmen politischer Gegner. Über  das weitere Schicksal der Festgenommenen wird  aus der Lokalzeitung nichts bekannt. Dennoch soll ein besonders erschütterndes Beispiel solcher Verfolgung unabhängig der Zeitungsberichte dargestellt werden. Der 1881 geborene Plettenberger Jakob Kurth war seit 1904 Mitglied der Metallverarbeiter- Gewerkschaft und der SPD. In den Ausgaben der Lokalzeitung sind mehrere Verhaftung Kurths bezeugt, bereits ab 1933. Nach dem gescheiterten Hitler- Attentat vom 20. Juli 1944 sollte er erneut verhaftet werden. Ob er tatsächlich eine Verbindung zu den Widerständlern um Graf von Stauffenberg besaß ist unklar. Jakob Kurth kam der Gestapo zuvor und stellte sich der Polizei. Er wurde inhaftiert und anschließend in das Konzentrationslager Oranienburg deportiert, wo er 1944 verstarb.

Auch in Plettenberg gab es Verfolgungen und Agitationen gegen Juden. Die Lokalzeitung berichtet dabei allerdings nicht von Deportationen o.ä.  Solchen Kundgebungen, Verfolgungen  und Hetze stellte sich in Plettenberg scheinbar niemand öffentlich entgegen. Vielleicht auch, weil sich gerade für Plettenberg eine frühe Entwicklung des „Führerkultes“ beobachten lässt, der spätestens mit Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 31. Januar 1933 einen ersten Höhepunkt fand. Die Lokalzeitung berichtete nur wenige Tage später von einem Sturm auf Hitlerportraits, rechtspropagandistischen „Schallplatten“ sowie auf „Bilderbogen mit braunen Soldaten“[6], dem die hiesigen Geschäfte nicht nachkommen konnten. Dennoch waren offene Sympathiebekundungen einzelner Personen bis zu Hitlers „Machtübernahme“ eher selten. Erst ab Februar 1933 erreichten verschiedene Leserbriefe die Redaktion des Süderländer Tageblatts, die offen die NSDAP und ihre Ideologie verherrlichten. Ein besonderes Beispiel dafür ist ein selbst verfasstes Gedicht, das in der Lokalzeitung abgedruckt wurde. Es trägt den Titel „Morgenrot“  und dieser verrät schon im Wesentlichen die allgemeine Stimmung des Gedichts und das Gefühl seines Autors Albert Zander: das Anbrechen einer neuen Epoche. Hitler wird dabei als der Wegbereiter, der Führer, dieser neuen Zeitrechnung dargestellt. Dabei wird die Vergangenheit zu Gunsten der NSDAP vom Autor verklärt. Vor Hitlers Regierungsantritt habe laut Zander das Chaos im Reich vorgeherrscht. Er zeichnet das Bild einer Gesellschaft der „Schande“ und voller „Verbrechen“. Adolf Hitler wird allerdings in diesem Gedicht nicht nur als „Führer“ zu besseren Zeiten dargestellt; seine Idealisierung geht noch viel weiter. Der Hobby- Poet Zander vergleicht den Reichskanzler mit dem Heiligen Georg, dem Drachentöter. Hitler erhält so also eine Art göttlichen Auftrag und gilt Zander als Verkörperung von „Ehre, Kraft und Frömmigkeit“. Dieses Gedicht zeigt deutlich, wie zumindest ein Teil der Plettenberger über die „Machtübernahme“ Hitlers dachte. Dabei wurde auch vor religiösen Vergleichen oder Überhöhungen nicht zurückgeschreckt.

Die nationale (oder nationalistische) Begeisterung schien die Massen in Plettenberg genauso anzustecken wie die Bürger in anderen Teilen des Reiches auch. Der tatsächlichen Begeisterung und dem sicher auch vorhandenen Opportunismus wurde freien Lauf gelassen. Bereits kurz nach Regierungsantritt der NSDAP- nach den letzten freien Wahlen in der Weimarer Republik am 5. März 1933- wurden überall im Stadtgebiet die alten Reichsfahnen Schwarz- Weiß- Rot und die Hakenkreuzflagge gehisst; „die bisherigen Fahnen Schwarz- Rot- Gold wurden verbrannt“[7]. Zu besonderen Feiertagen, wie zum Beispiel Adolf Hitlers 44. Geburtstag am 20. April 1933, trugen „alle öffentlichen Gebäude, die evgl. Kirchen und viele Privathäuser“ in Plettenberger die Reichs- und Hakenkreuzfahne. Der Bedarf an diesen alten und neuen Fahnen schien so groß zu sein, dass manche Flaggentuchfirmen der Nachfrage nicht standhalten konnten. Die Beflaggung wurde auch in Plettenberg zu einem Ausdruck der nationalen Gesinnung.

Abschließend soll auch auf das Medium „Zeitung“ im Jahr 1933 eingegangen werden. Das Süderländer Tageblatt unterlag nach Regierungsantritt der NSDAP- wie alle anderen Zeitungen im Reich auch- dem Propagandaministerium. Der endgültige Verlust der Pressefreiheit lässt sich dabei für den 4. Oktober 1933 setzen, als das „Schriftleitergesetz“ in Kraft trat: Dieses regelte die Ausbildung und Zulassung zu Presseberufen. Der Redakteur (oder Schriftleiter) war demnach nicht mehr dem Verleger, sondern dem Staat gegenüber verantwortlich. Des Weiteren wurden alle jüdischen Journalisten aus ihren Berufen ausgeschlossen.

Die Bewertung der NSDAP im Süderländer Tageblatt durchlief mehrere Wandlungen, bis die Zeitung letztendlich auch parteikonform „berichtete“. In Kommentaren dieser Zeit lassen sich die verschiedenen Positionen deutlich abgrenzen. Denn zunächst schien die Lokalzeitung eine sehr reservierte Haltung gegenüber den Nationalsozialisten zu besitzen. In dem am 13. August 1932 veröffentlichten Kommentar „Sonntagsgedanken/ Untermenschen?“ eines unbekannten Autors, gerät die Rassenideologie der Nazis unter Beschuss. Dabei wird eine stark nationale Einstellung dennoch nicht verleugnet, wenn davon geschrieben wird, dass die Uneinigkeit der Deutschen jener Zeit sie zu „Weltsklaven“ mache. Dennoch wird davor gewarnt  „Verächtlichung zum Kampfmittel“ zu wählen, denn „wenn wir den Menschen anderer Art, Überzeugung und Richtung immer als Untermenschen beschimpfen, sind wir auf dem Wege, es selbst und wirklich zu werden.“ Im selben Artikel wird ebenfalls vor den Folgen solcher Rassenideologie gewarnt:

„Die Menschen werden einander zu Wölfen, die sich treffen, zu ‚Untermenschen’, die sich herunterziehen in Haß und Schmutz, wenn sie keine Maßstäbe mehr haben, die über dem Menschen und seinem Maße stehen.“

Überraschender dagegen ist die Position der Lokalzeitung nach der „Machtübernahme“ und den von der NSDAP gewonnenen Wahlen vom 5. März 1933. Auch hier bewahrte sich das Süderländer Tageblatt noch eine distanzierte Position zum Regime, allerdings verfiel sie auch einer naiven Beurteilung der Geschehnisse. Zwar wird in dem Kommentar „Die Entscheidung gefallen“ vom 6. März 1933 darauf hingewiesen, dass die bürgerlichen Parteien in ihrer Werbung von der NSDAP eingeschränkt wurden, dennoch erwartete der uns unbekannte Autor, die neue Regierung solle unter den Gesichtspunkten des geltenden Rechts herrschen. Deutlich wird auch, dass die Einschätzung der politischen Zukunft völlig an der Realität vorbeiging. Die parlamentarische Demokratie war zu diesem Zeitpunkt bereits de facto abgeschafft worden, doch laut Lokalzeit dürfe „die Stärke der Minderheit der übrigen Parteien [...] allerdings auch eine nicht zu unterschätzende Opposition darstellen.“

Erst später schwenkte auch das Süderländer Tageblatt auf Parteikurs um. Fortan verfassten wahrscheinlich andere Autoren die Kommentare, da sie zum ersten Mal mit Kürzeln genannt wurden. Einer der eifrigsten Autoren im Sinne des Regimes war dabei Dr. W. Er verfasste auch einen bezeichnenden Kommentar am 29. April 1933 unter der Überschrift „Vom Ruf erreicht“. In diesem verlangt er, dass das NS- Gedankengut im Herzen sein müsse, „alles andere ist Mitläufertum“. Die Gleichschaltung der Vereine und Gewerkschaften im Stadtgebiet wird dabei vollkommen unterstützt. Die neue Epoche des verbrecherischen Hitler- Regimes wird dabei als „heilige Zeit“ vorgestellt. Zum Schluss wird der nationalsozialistische Dienst am Volke mit einem Gottesdienst gleichgesetzt und so zeigt sich die vollkommene Unterwerfung der freien Presse und der Gesellschaft unter die braune Zensur.

 

[1] Süderländer Tageblatt, 1. Februar 1933

[2] www.plettenberg-lexikon.de/a-z.thms, 15.05.2009

[3] www.plettenberg-lexikon.de/a-z.thms, 15.05.2009

[4] Süderländer Tageblatt, 8. Juli 1933

[5] Süderländer Tageblatt, 8. Juli 1933

[6] Süderländer Tageblatt, 04.02.1933

[7] Süderländer Tageblatt, 14.03.1933

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