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Grube "Grüne Hoffnung"

von Natalie Ofori
Die Grube „Grüne Hoffnung“ reicht 34 Meter in den Berg hinein.

Stollen sind im Siegerland, einer Gegend, in der viele Hundert Jahre lang aktiv Bergbau betrieben wurde und in der, wie es heißt, fast jeder zweite Berg unterhöhlt ist, in einer Vielzahl vorhanden. Viele von ihnen sind, seit in der Mitte des letzten Jahrhunderts der Bergbau im Siegerland sein Ende fand, zugeschüttet oder zubetoniert worden. „Offene“ Stollen, die für Interessierte begehbar gemacht worden sind, finden sich hingegen wenige. Einer von ihnen ist die Grube „Grüne Hoffnung“ am Katzenberg in Freudenberg/Oberfischbach.

Der mündlichen Überlieferung zufolge handelt es sich bei dem 34 Meter langen Stollen am Katzenberg um eine in der Mitte des 18. Jahrhunderts gegrabene Grube. Man habe in dieser nach Silber gesucht und es auch gefunden, jedoch nur in sehr begrenzten Mengen, so erzählt man sich. Schriftliche Quellen, die dies belegen könnten, konnten allerdings bis dato nicht aufgefunden werden oder sind schlicht nicht vorhanden. Zu beobachten sei jedoch noch heute, dass sich nach einer regenreichen Periode im feuchten Stollen Oxyde, möglicherweise Silberoxyde, bilden,  so der Eigentümer des Grundstücks, auf dem sich die Grube befindet. Die Grabungen nach Silber im Stollen seien Mitte des 19. Jahrhunderts eingestellt worden, so wollen einige der älteren Dorfbewohner zu berichten wissen. Es sei eine Zeit gewesen, in der aufgrund der Einführung von Papiergeld Münzen an Wert verloren hätten und so die Grabungen nach Silber in der Region stark zurückgegangen seien.

Sicher behauptet werden kann, dass der Stollen am Katzenberg im ausgehenden 19. Jahrhundert in Betrieb gewesen ist. Das Grubenfeld wurde am 4. Mai 1885 aufgrund der „Mutung“ (Antrag an die Bergbehörde auf Verleihung des Bergwerkeigentums) vom 10. Juli 1884 vom königlichen Oberbergamt Bonn, einer Gruppe von Bergmännern „…zur Gewinnung der im Felde vorkommenden Eisen-, Blei-, Zink- und Kupfererze…“ verliehen und konnte somit als Erzbergwerk in Betrieb genommen werden. Dies belegen Urkunden, die im Staatsarchiv Münster gelagert sind. Hier taucht auch zum ersten Mal der Name „Grüne Hoffnung“ auf, mit dem die besagte Grube bezeichnet wird. Dass die Grube „Grüne Hoffnung“ als Erzbergwerk genutzt werden sollte, lässt sich somit belegen - nicht aber, dass sie tatsächlich nennenswerte Mengen an Eisen-, Blei-, Zink- oder Kupfererz geliefert hätte. Aus einer „Statistischen Nachweisung“ über das Jahr 1887 lässt sich ablesen, dass in diesem Jahr nur ein Arbeiter unter Tage in der Grube beschäftigt gewesen ist. Dieser verdiente, den Eintragungen zufolge, 2,50 Reichsmark pro 12-stündiger Schicht und hatte von seinem Lohn sechs Angehörige zu ernähren. Angaben über Menge und Wert der geförderten Produkte fehlen dort jedoch gänzlich. Dies könnte bedeuten, dass, zumindest in diesem Jahr, tatsächlich nichts gefördert worden war, das hätte verzeichnet werden können. Auch die Tatsache, dass die Grabungen immer wieder eingestellt worden waren - dies belegen Briefwechsel zwischen dem Steiger Balthasar Zöller aus Niederndorf und dem Bergmann Eberhard Schreiber aus Oberfischbach mit Theodor Hundt, dem damaligen Leiter des Siegener Bergamtes - könnte darauf hinweisen, dass sich die „Grüne Hoffnung“ als Erzbergwerk nicht als sonderlich effizient oder gewinnbringend erwiesen hat.

Gewinnbringend, und dies in hohem Maße, wurde die Grube „Grüne Hoffnung“ jedoch im Jahr 1945 für einen Teil der Oberfischbacher Bevölkerung. Als am Ende des Zweiten Weltkrieges das Dorf von feindlichen Truppen beschossen wurde, bot der besagte Stollen ca. 20-30 Ortsansässigen einen idealen Zufluchtsort. Wie Zeitzeugen berichten, hätten sich über einen Zeitraum von etwa acht Tagen hinweg hauptsächlich Frauen und Kinder, die aus den umliegenden Häusern und Gehöften stammten, in der „Grünen Hoffnung“ versteckt gehalten, um nicht Opfer von Luftangriffen zu werden. Während dieser Zeit habe man den Stollen nur verlassen, wenn dies unumgänglich gewesen sei. Morgens früh und abends, nach Sonnenuntergang, sei die Zeit gewesen, in der sich Einzelne hinausgeschlichen hätten um ihr Vieh zu versorgen oder etwas Essbares aus ihren Häusern heraus in die Grube zu schaffen. Dies seien häufig die Kinder gewesen, da diese sich im Schutz der Dunkelheit unauffälliger hätten bewegen können. Die Trinkwasserversorgung im Stolleninneren sei durch eine Art „Teich“ von etwa einem Meter Tiefe, gespeist von klarem Grundwasser, gesichert gewesen, der sich im hinteren Teil des Stollens befindet und der so heute noch dort vorzufinden ist.
Obgleich man sich in der „Grünen Hoffnung“ relativ sicher gefühlt habe, sei die Zeit im Stollen doch von vielerlei Ängsten geprägt gewesen, erzählen Zeitzeugen. Beispielsweise bestand die Angst, durch einen von einer Bombe verschütteten Stolleneingang in der Grube eingeschlossen zu werden. Der Möglichkeit, im Stollen von einer hereinfliegenden Granate getroffen zu werden, habe man jedoch rechtzeitig mit einem so genannten „Splitterschutz“ entgegengewirkt. Dieser bestand aus vier Balken, die ein Rechteck bildend miteinander verbunden gewesen seien, Steine enthalten hätten und gegeneinander versetzt an die Stollenwände angebracht gewesen seien. Die Spuren dieses Splitterschutzes sind heute noch an den Stollenwänden zu erkennen.
Heute sagt Theo Kray, der sich als sechsjähriger Junge um Ostern 1945 ebenfalls in der „Grünen Hoffnung“ befunden hatte: „Die Leute sind bewahrt geblieben in dem Stollen“.
Damit lässt sich wahrscheinlich die emotionale Beziehung zur Grube „Grüne Hoffnung“ erklären, die einige Oberfischbacher Bürger bis heute zu dem Stollen am Katzenberg haben. Die Grube „Grüne Hoffnung“ ist jahrzehntelang verschlossen gewesen, bis sie in privater Initiative im September 2007 wieder geöffnet wurde.
Ihre Wiederöffnung stieß bei der Dorfbevölkerung auf breites Interesse und hat bislang neben zahlreichen Privatpersonen auch Schulklassen der örtlichen Schule und den ortsansässigen Kindergarten „Arche“ dazu animiert, den Stollen zu erkunden.
Inzwischen ist das ehemalige Bergwerk besucherfreundlich hergerichtet. Es ist nun von innen ausgeleuchtet, sein Eingang ist breiter geworden und auf dem Boden wurden Steine aufgeschüttet, damit der Stollen von nun an trockenen Fußes betreten werden kann. Nach Absprache mit dem Verantwortlichen, Andreas Kray, auf dessen Grundstück sich die Grube befindet und der ihre Wiederöffnung initiiert hat, kann die „Grüne Hoffnung“ für Interessierte geöffnet werden.

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